VoIP über alles

Jede Telefonbude möchte im Moment so schnell wie möglich ISDN und das alte Analoge Telefon loswerden und durch moderne VoIP-Anschlüsse ersetzen.

Im Prinzip geht die Migration für Anwender schmerzfrei über die Bühne und ist sogar von Vorteil: statt Strippengewirr steht nun ein Router in der Ecke, an den sich Laptop, Tablet und Smartphone via WLAN und die Telefone über DECT verbinden.

Schwieriger wird es, wenn beim Anwender „heftigst“ ISDN genutzt wird. Also mehrere NTBAs um mehrere Anrufe entgegen zu nehmen (oder herauszutelefonieren), spezielle Router für DSL-Standleitungen, ISDN-Telefonanlagen, Alarmanlagen signalisieren melden sich auch gerne über den D-Kanal von ISDN und so weiter.

Um ein länger existierendes Unternehmen auf VOIP umzustellen ist natürlich erstmal eine Bestandsaufnahme zu machen. Dazu eignen sich bevorzugt alle Eingangsrechnungen, die irgendwie nach Telekommunikationsunternehmen „riechen“. So manche „Das ist nur Handy!“-Rechnung hat sich als ausgewachsene Standleitung entpuppt und die „keine Ahnung, was das für eine Rufnummer ist“ wurde für Fernwartung gebraucht.

Aber die Strategen der Deutschen Telekom sind ja alle klug: die geben ihren Callcenter Agents im Direktvertrieb keinerlei Informationen über den Kundenvertrag sondern deklarieren alles als „Omma Liesel auf dem Lande“. Und so können die Mitarbeiter dort unbelastet von irgendwelchen möglichen Nebenwirkungen selbst Geschäftskunden mit „alles kein Problem, alles wird schneller und billiger“ zur Bestellung von VoIP überzeugen.

Fack you, Telekom – den Scheiss habt ihr schon wieder mit einem meiner Kunden durchgezogen deren Infrastruktur komplett mit Sensoren, Alarmanlage, Standleitung und Telefonanlage von ISDN abhängig ist.

Ich kann es nicht deutlich genug sagen: Telefonie und Internet laufen meisstens über die gleiche Leitung, wenn sich beim einen was ändert ist das andere meisstens auch betroffen (und wenn es nur in einer kleinen Ecke ist die nicht sofort auffällt).

Mein erster betroffener Kunde letztes Jahr hat mir die Umstellung auf „alles viel besser, schneller, billiger“-VoIP erst dann gebeichtet, als das Telefon auf dem gesamten Gelände schon 1 Tag nicht mehr nutzbar war und musste dann 6 Geschäftstage damit leben, dass alle eingehenden Telefonate halt auf dem Firmenmobiltelefon mit viel Kratzen und Bratzeln ankamen (AWS extern sei Dank!)

Weitere Kunden haben zum Glück vorher Rücksprache gehalten.

Im aktuellen Fall wurde es mir immerhin 1 Tag vorher gebeichtet – ich konnte nur anraten sofort bei der Telekom anzurufen um das Rückgängig zu machen. Im Idealfall passiert morgen nichts, im schlechtesten Fall dauert es wieder 1 Woche bis alles auf den Ursprungszustand zurückgesetzt wurde.

Für ein Unternehmen, welches auf eingehende Telefonanrufe reagieren muss, kann das der Tod bedeuten.

3 thoughts on “VoIP über alles

  1. Pingback: VoIP oder stirb | Kurz notierter Käse von hier und anderswo

  2. Du kennst meine Einstellung dazu 😉
    Man *kann* selbstverständlich alles mögliche, was vorher über ISDN lief, auf einen neuen VoIP-DSL-Anschluss umheben. Wenn das dann eben bedeutet, die Alarmanlage über das Internet kommunizieren zu lassen oder alternativ über GSM, dann muss man das eben installieren- und zwar beizeiten.
    Kartenzahlungssysteme können einen vor ähnliche Herausforderungen stellen, doch auch hierfür gibt es Lösungen und der Zahlungsdienstleister hilft sicher gern- wenn man ihn rechtzeitig einbezieht. Gleiches gilt für Fernwartungszugänge von Produktionsmaschinen, Haustechnik usw. Falls jemand übrigens ein Analogmodem mit serieller Schnittstelle braucht, um nach erfolgter Umstellung der restlichen Telefonie weiterhin seine Brieffrankiermaschine o.dgl. nutzen zu können, gebe ich gern welche ab. 😉

  3. Das Problem ist immer das „rechtzeitig“. Da der Vertrieb nichtmal die grundlegenden Stolperfallen abfragt oder wenigstens erwähnt, den Telefon/IT-Verantwortlichen auch zu informieren ist es immer ein teures hinterherfegen 🙂

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