VoIP über alles – 2 Monate später…

Gleicher Kunde, immer noch ein Drama.

Was passierte am Tag „X“ der Umstellung?

Ich habe vorher nochmal alle Unterlagen gesichtet, die irgendwie mit der Telekom zu tun haben und fehlendes nachgefordert, recherchiert, ausprobiert – denn der Vertriebler der DTAG hat mir recht deutlich zu verstehen gegeben, dass eine Rückabwicklung nicht passieren wird.

Um 11 Uhr rief mich der Inhaber via Mobiltelefon an und sprach „Jetzt geht gar nichts mehr“. Kein Internet, keine Telefonie, keine Alarmanlage…..

Also erstmal im Kundencenter der Telekom eingeloggt und alle Rufnummern auf das Mobiltelefon der Seniorchefin umgeleitet welches nun das zentrale Telefon war.

Danach den Kasten mit der Telefonverkabelung geöffnet. Problem bei der Sache: IP-Krams und Telefonie sind zwar nur 50cm voneinander entfernt, aber die Wand dazwischen wurde um die bestehende Infrastruktur gezimmert sodass es nicht möglich war mal eben bestehende ISDN-Kabel wegzumachen und durch Ethernetkabel zu ersetzen. Zum Glück hab ich im Fundus genügend lange Strippen herumliegen um drumherum zu verlegen – mein Kunde muss jetzt halt mal mit einem Kabelverhau und Panzertape auf dem Boden leben.

Nachdem alles vorbereitet war, habe ich die ominöse „Telekom Standard Digitalisierungsbox “ ausgepackt, grob verkabelt und mich im Webinterface der Kiste eingeloggt. Gemäss Beschreibung soll die Umstellung von ISDN auf VoIP ganz einfach sein: Die Zauberkiste weiss zu welchem Kunden sie gehört und zieht sich alle Daten für die Migration aus dem Netz herunter. Links einfach in die DSL-Buchse und rechts den S0-Ausgang mit der bestehenden ISDN-Telefonanlage verbinden – fertig.

In der Praxis hat sich der Setup-Assistent erstmal verheddert und mich mit meinen Sorgen alleine gelassen.

Erika Fuchs legte Daniel Düsentrieb schon die Worte „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ in den Mund – also Ärmel hochkrempeln und mal vom „Assistenten“ in den „Experten-Modus“ geschaltet. Und da sah man recht deutlich, dass die „Standard Digitalisierungsbox“ ihre Wurzeln in einer „Bianca“ von VEB Funkwerk (später Funkwerk AG, nun „bintec elmeg GmbH“ hat). Ich liebe diese Router weil sie einfach alles können – aber wenn man nur alle paar Jahre damit zu tun hat, wirds schwierig.

Aber die Telekom lässt mich ja nicht alleine. Den Vertriebler um Hilfe angebettelt der völlig entnervt sagte „Vor einer Woche kann kein Techniker bei Ihnen sein – wir haben schon tausende Kunden umgestellt und es gab noch NIEEEEE Probleme!“. Zum Glück steht im Beipackzettel „Zu den Risiken und Nebenwirkungen befragen sie unter der Rufnummer 08xxx einen Kollegen der Ihnen bei der Einrichtung hilft.“

Per Try&Error hab ich es zumindest geschafft, mit der Anlage beim Kunden rauszutelefonieren zu können. Hotline angerufen, 20min warten, endlich. „Hallo Kollegin! Ich bin beim gemeinsamen Kunden ’sowieso GmbH‘ und komme mit der ‚Standard Digitalisierungsbox‘ nicht zurecht. Ob Sie mir kurz helfen könnten?“ „Ja gerne – um welches Gerät geht es denn?“ „Standard Digitalisierungsbox“ „Und das haben Sie von uns bekommen?“ „Ja – steht fett ‚Telekom‘ drauf“.

Nach weiteren 15min „Welche Lämpchen blinken? Nein – das Gerät kenne ich nicht, ich frage mal die Kollegen“ musste die Dame passen – eine „Standard Digitalisierungsbox“ ist im Konzern nicht bekannt (auch nicht bei den Kollegen, welche den Installationsflyer erstellt haben – da ist von einem Speedport-Router die Rede).

Also Schlachtplan erstellt: Internet geht, die Standleitung zum Mutterkonzern ist weg, Telefonie ausgehend ok aber eingehend nur über das Mobiltelefon der Seniorchefin. Mal ne Nacht drüber schlafen und schauen…

Am Abend habe ich noch versucht, eine Anleitung für diese ominöse Box zu bekommen. Die ist zwar vorhanden, scheint aber von einer bestehenden Bintec-Box kopiert zu sein und endet genau dort wo es spannend ist – nämlich beim Übergang von VoIP auf eine Telekom Octopus F.

Am nächsten Tag mal bei Clara-Net angerufen, die sind nämlich für die Standleitung zum Konzern zuständig. Dort wurde ich verdammt herzlich empfangen und getröstet, weil die nämlich ständig mit den Folgen der DTAG-Vertriebsversprechen „Umstellung auf VoIP ist ganz einfach“ zu tun haben. Die Alternativen waren: 1) gemeinsames „frickeln“ bis man wieder den alten Zustand einer Shared-Line (DSL Telekom + ClaraNet Standleitung über eine Leitung) hinbekommt oder einfach 10 EUR mehr im Monat zahlen und die ClaraNet Leitung über einen separaten DSL-Anschluss der Telekom laufen zu lassen. Ich habe mal für den Kunden für letzteres Entschieden, also Papierkrieg wiedermal.

Die Wunderbox der Telekom tats aber immer noch nicht so recht. Zwar habe ich mich über Nacht nochmal in VoIP eingelesen, aber irgendwie finde ich für die Beschreibungen aus dem Internet keine Entsprechung in dieser Kiste.

Alles von vorne. Die „Standard Digitalisierungsbox“ komplett zurückgesetzt, Assistent neu gestartet, wieder nichts. Nochmal das Logging neu konfiguriert damit ich eine Chance habe zu sehen was da läuft. Ewig auf die Logfiles gestarrt. Rufe kommen rein, landen aber nicht auf der Anlage.

Raus aus dem Büro mal eine rauchen. Plötzlich klingelt das Telefon bei der Auftragsannahme – irgendein Anrufer ist durchgekommen. Aber warum? Mitarbeiterin befragt – das war einer aus dem Ort. Schnell zum Rechner gerannt – leider ist das Event schon aus den Logfiles herausgefallen.

Die Mitarbeiter gebeten, mal Bekannte im Ort anzurufen damit die mal in der Firma anrufen – klappt. Schnell das Laptop aufgeklappt eine griechische Kollegin gebeten hier anzurufen – klappt auch. Heureka! Da ist irgendwas mit der Rufnummernumsetzung verkehrt.

Nach Mühsamen durchklicken aller Menuepunkte und aller Untermenuepunkte sowie ihrer Karteikartenreiter habe ich herausgefunden, dass der Setup-Assistent dort versäumte die in fast allen Fällen übermittelte „Ortsnetzkennziffer“ (also die Ortsvorwahl) abzuschneiden. Damit gab es keine Übereinstimmung mit der MSN (also die eigentliche Rufnummer der Firma).

So langsam habe ich verstanden, was die Kollegen Entwickler da an den verschiedensten Menuepunkten haben wollen. Die Syntax für einen weiteren Eintrag habe ich mehr erraten als gewusst, die Dokus gaben dazu auch nur spärlich was her – aber danach funktionierte es.

Alles dokumentiert und einen Reset der Box durchgeführt um das nochmal zu validieren – wäre schade wenn gut 20 Stunden Arbeit in den Orkus gehen.

Nach einer kleinen Ewigkeit des „Warten, Bangen, Hoffen“ konnte ich auf die „Standard Digitalisierungsbox“ wieder zugreifen – und die hat auch gleich ein Update der Firmware angefordert. Danach wurde der Setup-Assistent gestartet, der auf dem Niveau eines Kindergarten-Quiz paar Angaben wollte. Am Ende gabs einen Neustart und alles funktionierte.

Jeder andere wäre jetztanimalische Schreie des Wahnsinns ausstossend nackt durch die Wetterau gelaufen, ich habs einfach nur mit einem Achselzucken quittiert dass mich die Deutsche Telekom wieder 2 Tage meines Lebens gekostet hat.

Nach ’ner Woche kam noch die Standleitung von ClaraNet. Ich kann mich an den Termin gar nicht mehr so recht erinnern. Techniker-Kollege von der Telekom hat ne Dose dafür gesetzt, gemessen. Vorkonfigurierten Router von ClaraNet angeschlossen, hat sich alles problemlos integriert und die Standleitung war wieder da. Mir blieb „nur“ noch die Aufgabe, die ganzen neuen Router und Anschlüsse in den recht schmalen Platz an der Wand im Chefbüro hinter der Abdeckung zu integrieren – aber das klappte auch.

Was nach 2 Monaten übergeblieben ist: eine teure, neu angeschaffte Frankiermaschine die leider noch Analog „nach hause telefonieren“ muss um das Guthaben aufzuladen. Das ist mir leider erst sehr spät nach der Umstellaktion zugetragen worden und somit darf ich über endlose Warteschleifen bei der Telekom einen Techniker bestellen – welcher mittlerweile da war (Stand gestern) und auch alles brav angeschlossen hat.

Leider kann die Frankiermaschine immer noch nicht stabilen Kontakt zur Heimat aufnehmen. Anscheinend mag sie nicht die Umsetzung „Analog -> Octopus -> ISDN -> VoIP“.

Da muss wohl nochmal jemand ran – und zwar jemand von der Telekom und das auch auf Kulanz, sonst werde ich Böse.

PS: Meine eigene Firma ist da besser dran. Wir sind hier in einer Ecke, wo es die Telekom nicht so eilig hat mit der Umstellung von ISDN auf VoIP und wir hängen bereits am Breitband von M-Net. Nur noch paar Rechner hier laufen bewusst über die Telekom und wenn ich eine Idee habe, welche Telefonkonsole ich für VoIP hier ins Büro stelle ist die Telekom komplett weg.

Denn M-Net ist (noch….) ein vergleichsweise kleines Unternehmen und für mich wesentlich kuscheliger im Fall wenns mal klemmt.

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